CH- History Basel

Künstlerbiographie Luana (Lu, Loo) 

- Oldschool Pionierin Graffiti- und Rap Artist -

Die Basler Pionierin, old school Rapperin und Graffitikünstlerin Luana (Abb.1) übt bis heute Rap, Gesang und Graffiti- Kaligraphien aus. 1983 kam sie über das Bravo- Heft zum ersten Mal auf Grund der hierin vorgestellten Filme „Wild Style“ und „Beatstreet“ mit der Hip-Hop-Bewegung in Berührung und erinnert sich gerne an die in einer weiteren Bravoausgabe beigelegten Vinyl Platte „Breakdance Sensation84“ mit Songs wie „Hey you“ von Rock Steady Crew oder „Let the music play“ von Shannon. Von den Filmen Wild Style“, „Fame“, „Flashdance“ und „Beat Street“ inspiriert, versuchte auch Luana – wie in den späten 80ern üblich – sämtliche Hip Hop-Künste aus und widmete sich auch während ihrer KV-Lehre  (Kaufmännischer Verband) über acht Jahre lang dem Graffiti (Abb.2 - Graffiti 1984). 1987 begann sie in Biel zu Rappen und war dort an der allerersten Hip Hop Parties in der Coupole (Chessu, AJZ - autonomes Jugendzentrum) mit dabei (Abb.3). Nach Lehrabschluss besuchte sie 1989 zum ersten Mal Lady Pink 1989 in New York. Ab da reiste sie regelmässig für mehrere Wochen zu ihr hin und lernte Writers wie Seen, Lee, Crash, Daze, Erni oder Gil (†) kennen. Lady Pink brachte ihr nicht nur die Underground- Graffiti- Szene mit den unterschiedlichen Styles näher, sondern auch die Grundlagen der Photographie. Vollbepackt mit den ersten Graffitibüchern, Adidas Turnschuhen, Airbrush-Kleidern und vieles mehr kehrte Luana nach Basel zurück und verteilte die Sachen ihren Homies und B-Girls. Die Basler Szene war gerade erst geboren, übersichtlich und bestand aus mehreren kleineren Crews im Dj’ing, B-Boying, Rappen und Sprayen (Abb.4). Die Kuppel in Biel (Coupole oder Chessu) war die Metropole der Schweizer Hip Hop-Szene und derjenigen in Europa. 

Zitat Luana: Es kamen von überall Hip-Hopper her, ich begann dort die Bühne mit Crews wie NTM, I AM, D.A.M.N. aus Holland, Sens Unik, Duty Free, Debbie D, Aera E, MC Duke, Advanced Chemistry, Absolute Beginner, Cora E und anderen zu teilen.

Aus diesen Treffen in Biel und weiteren in Zürich oder Basel erwuchsen gemeinsame Projekte. Über das analoge Festnetztelefon blieb man jeweils in Kontakt – Internet gab es  nicht!

Von klein auf sang Luana zu Hause und war später in der zehn- köpfigen Funk Band „Pol Corsa“, in der auch Famara mit dabei war. Tanzen gehörte seit der Zeit von Michael Jackson ebenso zu ihren Aktivitäten, wie bereits eingangs erwähnt das spätere Sprühen. Die Hip Hop Bewegung empfand sie als Fluchtwelt, in der sie sich von ihrer chaotischen Italienischen Familie zurückziehen konnte und gleichzeitig ihre künstlerischen Tätigkeiten nach „aussen“ verlagerte mit der Konsequenz Preise zu gewinnen. Beispielsweise erwarb sie sich den 2. Platz an einem Zeichenwettbewerb des KV’s und ging als Siegerin eines Tanzwettbewerbs in einer Disco in Basel hervor. Der Preis bestand darin eine Woche mit anderen Tänzern nach Ibiza zu reisen. Später gewann sie eine Auto- Stereoanlage für ihre gesangliche Darbietung des Songs „All the man that I need“ von Whitney Houston - in der Zeit sang sie vorab Songs von Houston oder Tracks von „Flashdance“ und „Fame“ mit Ausnahme an den Hip Hop Parties. An diesen performte sie ihre eigenen Tracks und wurde von einem DJ begleitet. Um sich in ihren Leistungen stetig weiter zu entwickeln, orientierte sie sich an Filmen, Büchern und Hip Hop- Magazine aus New York oder der Schweiz, wie etwa das 14K (Kings Report Luana) in Zürich, das bereits über sie in frühen Jahren berichtete, aber auch bürgerliche Magazine, wie etwa die Schweizer Illustrierte (Seite1, Seite2) zeigte Interesse an Luana und der Hip Hop Bewegung. Grundsätzlich war jedoch der Gaskessel in Biel ihr wichtigster Ort, um die Hip Hop- Künste, wie Breaken, Sprayen, Rappen und Singen über Auftritte auszuüben. Unter anderen  war sie beispielsweise denn auch an der von Eduzy aus Biel organisierten "Hip Hop Reality" im Jahre 1991 auf der Bühne live zu erleben. Lady Pink designte das Plakat und war als Graffiti- live act mit Sprühdosen vor Ort (Abb.5) Die positive Partystimmung der Hip Hop- Jams in den frühen 90er Jahren wurden unglücklicherweise durch Gewalt von Gangs aus Basel und Zürich überschattet. Wobei sie selbst immer in Ruhe gelassen wurde, da sie die Leute gut kannte und sie eher beschützten. Zudem respektierten sie Luana's Einstellung gegen Gewalt, wie dies damals auch die Zulu Nation weltweit propagierte. 

Eine Zeit lang unterrichtete Luana Hip Hop- Tanz im Jugendzentrum Bachgraben, was ihr grossen Spass bereitete. Daneben hatte sie ihre eigene von einem DJ begleitete Tanz- Crew und choreographierte für die Rap-Auftritte alles zusammen mit ihren Tänzerinnen Mica und Ayele selbst. Als DJ’s mit dabei waren Entop, Keys, Ace oder später Def Cut. Geübt wurde im Jugendzentrum Birsfelden oder auf der Strasse in Seitengässchen mit Fensterscheiben, in denen sich ihre Tanzkünste wieder spiegelten. Ziel des fleissigen Übens waren Auftritte in der Schweiz und in Deutschland und anderen Ländern zu verwirklichen. Ihren allerersten Auftritt hatte sie im „Fairytale“ in Basel, der als ihr Stammclub galt. Später stand sie mit Zora aus Luzern in Rimini auf der Bühne, performte nebst in Biel auch in Zürich im Dynamo oder in Burgdorf (BE) am CH- Fresh’89 (Abb.6, Abb.7) und eröffnete in den 90er Show Acts für Rapgrössen wie De la Soul, Run DMC, Warren G, Joe Cocker, Robyn S., Advanced Chemistry, Absolut Beginner, Sens Unik, NTM, IAM und viele mehr. Durch ein gutes Management und einer Booking Agentur konnte sich Luana auch Auftritte im Schweizer Fernsehen zusichern und war in der Sendung „Takito“ mit Sandra Studer, Justin Timberlake, N’Sync, Maja Brunner, Sina, Vera Kaa und anderen zu sehen. 1994 drehte der Schweizer Filmemacher Samir den Film "Babylon2" mit ihr, Debbie Dee (ZH) und Carlos von Sens Unik aus Lausanne. 

Obwohl Luana zur Schweizer Oldschool Hip Hop-Szene zählt, gab es bereits ältere Jugendliche, die die Hip Hop Kultur aktiv bewegten. So etwa Carmelo, der heute ein T-Shirt Shop führt oder Scorpio und weitere, die sie jedoch nie persönlich kennen gelernt hat.

Der ursprüngliche Geist der Hip Hop- Bewegung ist für Luana die von Afrika Bambaataa gegründete Zulu Nation, der sie selbst als Mitglied angehörte. Daneben waren oder sind immer noch Grand Master Caz, Grandmaster Flash & the Furios Five, Rock Steady Crew, viele Writer aus den damaligen Graffiti- Büchern und Breakdancers des Films „Wild Style“, sowie weitere mitunter dabei.  Ob der damalige Geist an den heutigen Hip Hop- Parties immer noch in alter Form existiert, kann Luana nicht bewerten, da sie nicht mehr allzuoft an Hip Hop- Events anzutreffen ist. Gelegentlich besucht sie Konzerte im Club „Parterre“ in Basel, in dem Rapper der neuen und älteren Generation dank dem Organisator Nic Plesel auftreten und nimmt vielmehr als gebuchte Künstlerin an Hip Hop- Veranstaltungen teil oder featured ihre old school Künstler Rap Kollegen, sowie etwa letzthin an einer der Hip Hop Party in der Coupole in Biel vom 26.04.2019 mit Toni L (Video1) . Sie ist sich durchaus bewusst, dass gewisse Leute es als DJ, Rapper, Tänzer oder Sprüher geschafft haben und sich dadurch ihren Lebensunterhalt finanzieren können, jedoch sollten auch, falls solch eine Künstlerkarriere nicht klappt, Jobs ausgeübt werden, in denen man seine sonstige Talente verwirklichen kann, wie etwa die Arbeit als Lehrerin mit Kindern, als Grafiker oder Lehrer an der Jazzschule. So gibt sie in einem Projekt auf dem Matthäusplatz oder bei der Tagesstruktur der Heilsarmee am Mittwoch Nachmittag Graffiti-Zeichnen für Kinder und besuchte den Elementarkurs und das Vollprogramm an der Jazzschule. Letzteres erweitert ihr Spektrum was das Genre und die Geschichte der Black Music, die Musiktheorie und die musikalische Praxis im Jazz angeht. Zeitgleich knüpft sie neue Kontakte mit professionellen Musiker, bildet ihre Gesangsstimme weiter aus, setzt sich mit Piano- Akkorde auseinander und wertschätzt die Kommunikation mit Künstlern. Durch diese Arbeit versteht sie den konstruktiven Aufbau und Komposition von Songs und Rap und empfiehlt diese Erfahrung an jeden Musikliebhaber weiter. Ihr musikalischer Höhepunkt liegt definitiv in den 90er zurück, als sie die Maxi Single  Seriosistas“ (fest. Cora E) oder „G.O.D/I had a dream“ releaste. Abgesehen davon war sie als Feature auf vielen CD- Samplers zu hören, zb. mit Rapublic und dem Song „Ti Amo“oder „Stay“, welcher in Rap-Version aufgenommen wurde und Chartbreaker in Österreich und in Deutschland wurde. Ebenfalls war sie offen für kommerzielle Projekte in der sogenannten Hip-House- und House-Ära in den 90ern, in der House mit Rap verschmolz, wie beispielsweise auf DJ Bobos „Ladies in da house“. Auch De La Soul hat in dieser Zeit solche Tracks veröffentlicht – auf iTunes auffindbar.

Die letzten Aufnahmen von Luana sind auf dem Album „Freedom“ zu hören, welche Mann und Frau auf  "i-groove.com" und unter mx3.ch , sowie auf soundcloud und reverbnation findet. Nebst dem Album sind auch ältere Songs aus de 90er hochgeladen, so etwa ihre allererste Aufnahme mit E.K.R. aka Ekrof „Ain t no sucker“ des Samplers „Fresh Stuff 1“. 

Heute arbeitet Luana unter anderem auch mit Sugar Daddy aus Basel und hat mit Nic Plesel die Tracks „Love is“ und „Excuse me“ aufgenommen. Ihre Videos findet ihr auf ihrer facebook-Seite unter Luanastefystef oder auf youtube, soundcloud, spotify und MX3 (siehe unten: Quellenverzeichnis, Internet).

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Quellenverzeichnis

Bibliographie

Interview Luana 2019, Interviewfragebogen "Künstlerbiographie Luana", Caroline Montandon, coll. HHMS, 26.04.2019.

Schweizer Familie, Bruno Habegger und Christian Känzig, "Freiheit für Graffitisin: Hip Hop in der Provinz: Junge kämpfen gegen die Langeweile, Serie Folge 2: Breakdance, Rap und Graffitis prägen die Hip-Hop- Szene, S. 18- 21. (Jahreszahl folgt), coll. Zed, 2015. 

14K, "Kings Report", 14K Magazine, Nr. 47, 1993, Zürich: Eigenverlag, S. 28, coll. HHMS, 2019. 



Internet

Cora Ehttps://www.youtube.com/watch?v=5hWO1mb2BVU

Crashhttps://www.crashone.com/bio

Dazehttp://www.dazeworld.com/

Def Cuthttps://twitter.com/djdefcut?lang=de

Ernihttp://evlworld.com

Gilhttps://www.youtube.com/watch?v=ozBbifIk724

iGroove, https://www.smstracks.com/fr/album/38702/freedom-luana.html

Lady pink 1, https://www.youtube.com/watch?v=FdWvL6glyTM

Lady pink & IOWA, Museum of Art, https://www.youtube.com/watch?time_continue=12&v=M4Ax4A0N4Gc

Leehttp://leequinones.com

Luana & Black Tiger, „Birds Eye“, HipHop Meets Jazz Vol 8, https://www.youtube.com/watch?v=ZR7DqVHJ-KA

Luana, „Bread butter & a cup of honesty“https://www.youtube.com/watch?v=fL5YNi7Uenw

Luana & DJ Bobo, "Ladies in da house", https://www.youtube.com/watch?v=iIqcjqh7g08

Luana & EKR, "ain't no sucker"https:/www.youtube.com/watch?v=R2mqaKPHhBE&list=PLJbP7DPbQ5PiRB5XJDTKKksppsggIbYUe&index=3

Luana feat. Cora E : "SerioSistaS"https://www.youtube.com/watch?v=DpXu4MVRMMc

Luana, "I had a dream"https://www.youtube.com/watch?v=u1XdXq_VzDY

Luana, MX3, www.mx3.ch/> / Luana

Luana & Rapublic,  "Ti amo", https://www.youtube.com/watch?v=6LC9VQW8S30 und https://www.youtube.com/watch?v=Bys7DApCbsg

Luana, "Searching"https://www.youtube.com/watch?v=FnOm_vmigUY

Luana, Soundcloudhttp://www.soundcloud.com/Luanastefystef

Luana, "That s me"https://www.youtube.com/watch?v=fSPaGplm9NI

Luana, "Wake up"https://m.youtube.com/watch?v=bbbfdPwx9XI

Luana & 14Khttps://www.14k.ch/about/14k-magazines/14k-magazine-nr-47/

Seenhttps://www.youtube.com/watch?v=UfdS2sVjJig


Abbildungen

Abb.1, Luana, old school, IMG_3269, coll. Luana, 2019.

Abb.2, Luana, Graffiti, 23.08.1984, IMG_3447, coll. Luana, 2019.

Abb.3, Coupole Party Plakat, Wild Style, Sèyo Design, Biel, 1987, IMG_3364, coll. Luana, 2019. 

Abb.4, Luana & Basel Family, IMG_1870, coll. Luana, 2019.

Abb.5, Party Plakat, Hip Hop Reality, Palais de Congrès, Bienne, 6. & 7. Juli 1991, Eduzy Productions, coll. Carrie, 2015.  

Abb.6, Party Flyer- Verso, CH- Fresh 89, Burgdorf, coll. Carrie, 2015. 

Abb.7, Party Flyer- Recto, CH- Fresh 89, Burgdorf, coll. Carrie, 2015. 


Video

Video, Luana & Toni L, Coupole, Eduzy Productions,26.04.2019, coll. HHMS, 26.04.2019. 



M.A. phil. hist. I Caroline Montandon, April/Mai 2019